Zugfahren in Indien

Das indische Zugsystem ist so kompliziert wie faszinierend.  Ihr könnt in aller Ruhe die indische Landschaft auf euch wirken lassen und kommt auf sehr angenehme Art und Weise mit Indern in Gespräche die oft über ‚What’s your name?‘ und ‚Where are you from?‘ hinausgehen. Klarer Nachteil: Um alle Buchungsoptionen und Zugklassen zu verstehen muss man etwas Zeit mitbringen. Wenn ihr ein Zugticket in Indien kaufen wollt, könnt ihr zwischen vielen verschiedenen Optionen wählen: Sitzart (Liege vs. Sitz), Zugklasse, klimatisiert (AC) oder nicht klimatisiert (Non AC). Außerdem gilt es, sich durch Wartelisten, Ticketkontingente und Reservierungen zu kämpfen. Als India Someday Kunde müsst ihr lediglich die Zugklasse wählen, wir übernehmen den Rest!

Die Zugklassen in Indien:

Erste Klasse (AC 1 oder First AC)

Es handelt sich hierbei um ein kleines Abteil mit 2 oder 4 Betten und abschließbarer Tür und persönlicher Betreuung durch einen Zugbegleiter.  AC1 in indischen Zügen ist eine sehr komfortable Art und Weise zu reisen. Ihr findet diese Zugklasse jedoch lediglich auf den wichtigsten Fernverbindungen. Die Preise sind etwa doppelt so hoch wie Tickets der Zweiten Klasse.  Der Zugbegleiter macht euer Bett und steht euch mit Rat und Tat zur Seite.

Einziger Nachteil: Die Fenster des Abteils lassen sich nicht öffnen und sind getönt. Dies schränkt den Blick auf die vorbeirauschende Landschaft natürlich etwas ein. Jedes Bett verfügt über eine Leselampe und Steckdose. Der Waschraum verfügt über eine europäische Toilette die in aller Regel sauber und mit Toilettenpapier ausgestattet ist.

AC 2 Tier (2 AC)

Hierbei handelt es sich praktisch um die zweite Klasse, diese ist im Gegensatz zu AC 1 eigentlich in jedem Fernzug zu finden.  Die Abteile sind sehr ähnlich aufgebaut wie die der ersten Klasse mit 4 Liegen, mit dem Unterschied, dass die verschließbare Tür mit einem Vorhang ersetzt wird. Auch hier werdet ihr mit Laken, Decke und Kissen versorgt. Ebenso lassen sich die Betten tagsüber in Sitzbänke verwandeln. Noch ein Wort zu den Liegen: Reisende die größer als 1,85m sind müssen damit rechnen, dass ihre Füße etwas über die Liege hinausgehen.

Auch diese Zugklasse in Indien ist klimatisiert und jeder Fahrgast verfügt über eine eigene Steckdose. Der Waschraum ist mit einer indischen und einer europäischen Toilette ausgestattet. Im Normalfall sind diese auch in einem akzeptablen Zustand.

AC 3 Tier (3 AC)

Die AC 3 Zugklasse ist die günstigste in indischen Zügen mit Klimaanlage. Statt der 4 Liegen wie in AC 2 befinden sich hier 6 Liegen in jedem Abteil und auf einen Vorhang müsst ihr ebenfalls verzichten. Also insgesamt bedeutet dies etwas weniger Privatsphäre. Nichtsdestotrotz findet ihr auch hier frische Laken und Kissen vor. Es findet sich an jeder Seite eines Abteils eine Art Hochbett mit drei übereinander angeordneten Liegen. Die mittlere dieser drei Liegen wird tagsüber hinunter geklappt, sodass auf der untersten 3 Personen bequem Platz zum sitzen finden. Es sind  2 bis 4 Steckdosen im Abteil vorhanden, die ihr euch mit den Mitreisenden teilen müsst.

Die Toiletten sind baugleich zu denen der zweiten Klasse indischer Züge, werden aber logischerweise von mehr Reisenden gebraucht und sind dementsprechend teils etwas dreckiger.

Non AC Sleeper

Im Prinzip ist die Non AC Sleeper Zugklasse  eine 1:1 Kopie der AC 3 Tier Zugklasse – ohne Klimaanlage. Auch hier finden sich 6 Liegen in einem Abteil. Ein weiterer Unterschied: Ihr erhaltet kein Bettzeug und solltet je nach Jahreszeit also eine dünne Decke oder einen Schlafsack dabei haben. Auch wenn keine Klimaanlage vorhanden ist, sorgen während Fahrt Deckenventilatoren und der Fahrwind für erträgliche Temperaturen, denn: Die Fenster lassen sich komplett öffnen und bieten daher eine viel bessere Aussicht als in den klimatisierten Klassen!

Während des Monsuns habt ihr so die beste Aussicht auf die wunderbare Landschaft – es sei denn es geht gerade ein Schauer runter, dann müssen die Verschläge geschlossen werden. Im Winter kann es hingehen etwas kälter werden, dann ist es ratsame einen Fleece zu tragen.

Auch wenn theoretisch die Passagierzahl durch das Reservierungssystem begrenzt ist, finden sich tagsüber doch oft mehr Passagiere in dieser Zugklasse. Mit sinkenden Preisen im Vergleich zu den klimatisierten Abteilen finden sich hier öfter Menschen die weniger Kontakt zu Ausländern haben – umso interessierter und gastfreundlicher sind sie.

Auch weil die Toiletten oft in einem für Europäer ‚ungewöhnlichen‘ Zustand sind, ist das Reisen in dieser Klasse zu empfehlen wenn ihr auf etwas Komfort gegen Authentizität eintauschen möchtet.

AC Chair Car (CC)

Die Abteile dieser Zugklasse in Indien sind ähnlich aufgebaut wie Züge in Deutschland, Österreich oder der Schweiz mit jeweils 2 oder 3 Sitzen nebeneinander.  Ihr findet diese Klasse in Indien in Zügen die kürzere Strecken bedienen. Die Abteile sind klimatisiert und verfügen über einige Steckdosen. Die Sitze sind relative bequem und die Toiletten meist annehmbar.

Non AC Chair Car (SS)

Die Sitze sind etwas weniger bequem und man sitzt näher beieinander als in CC. Darüber hinaus gibt es keine Klimaananlage aber offene Fenster. Für kürzere Zugfahrten bis zu 4 Stunden oder wenn CC Tickets ausverkauft sind ist die SS eine gute Option. Da die Toiletten meist nicht europäischen Vorstellungen entsprechen, bietet es sich an vor Fahrtantritt die Toilette aufzusuchen.

Unreserved

Diese indische Zugklasse ist eher etwas für erfahrene Backpacker und abenteuerlustige Reisende. Stellt euch auf Menschenmassen, Gedränge und Geschubse ein. Die Tickets dieser Klasse sind mit Abstand am günstigsten und Sitzreservierung nicht möglich. Daher bilden sich bei Zugeinfahrt Menschentrauben an den Türen die versuchen als erste im Zug zu sein um einen Sitzplatz zu ergattern! Mehr Menschen als ihr je für möglich halten würdet besteigen im Laufe der Zeit den Zug um anschließend für Stunden stehen zu müssen.

Was ihr über das Zugfahren in Indien wissen müsst

Um euch ein wenig Übersicht zu verschaffen und eure Erwartungen anzupassen hier einige Tipps zum Zugfahren in Indien:

Früh buchen!

Das indische Zugsystem transportiert jeden Tag rund 18 Millionen Menschen. Es lohnt sich also eure Tickets so früh wie möglich zu buchen um eure Wunschverbindung zu erwischen. Tickets können in aller Regel 60 Tage vor Reisetermin gebucht werden, in manchen Fällen erst ab 30 Tage im Voraus. Unser Rat: Außer ihr habt sehr viel Zeit und seid daher sehr flexibel lohnt es sich alle Züge im Voraus zu buchen.

Langestrecken Züge: Direktverbindungen sind Trumpf!

Es gibt zwar oft viele verschiedene Verbindungen um in Indien von A nach B zu kommen, aber wir empfehlen euch dringend so viele Direktverbindungen wie möglich zu buchen. Durch die oft vorkommenden (gravierenden) Verspätungen ist die Wahrscheinlichkeit Anschlusszüge zu verpassen einfach recht hoch.

Wie buche ich in Indien Tickets für die erste Klasse?

Es gibt lediglich ein First Class Abteil in jedem Zug. Das entspricht 24 bis 32 Sitzen. Dementsprechend schwierig ist es in Indien Tickets für diese Zugklasse zu buchen. Aber ganz ehrlich: Abteile der AC2 und AC3 sind auch sehr bequem  und eine gute Erfahrung!

Ticketkontingente: Die Foreigners Quota

Auch Tourist Quota genannt. Neben vielen verschiedenen Ausnahmen halten indische Zuggesellschaften stets ein kleines Ticketkontingent zurück, welches für kurzentschlossene ausländische Touristen gedacht ist. Diese Tickets können nur vor Ort kurz vor Fahrtantritt gekauft werden. Da dieses Kontingent stark begrenzt ist, stellt es keine Garantie dar ein Ticket zu ergattern. Gerade in der Hauptsaison (November bis März) sind die Tickets blitzschnell ausverkauft. Hier lest ihr mehr dazu.

Essen in indischen Zügen

Aufgrund der großen Distanzen dauern Zugfahrten in Indien gerne länger als in Europa. Da wird man schon einmal hungrig. In den Zügen wird laufend Essen angeboten, ebenso wie an die Bahnhöfen. Allerdings wird dies nicht immer unter den hygienischsten Umständen zubereitet. Wählt also sichere Optionen wie Samosas oder bringt euch selbst Kekse, Chips oder Bananen mit. An vielen Bahnhöfen reicht der Aufenthalt um auf dem Gleis Essen oder Getränke zu kaufen. Aber nicht den Zug verpassen 😉

Die Waschräume

Gerade auf längeren Strecken sehen die Toiletten oft nicht mehr ganz taufrisch aus und es kann etwas unhygienisch werden. Toilettenpapier ist nicht vorhanden, also solltet ihr eine Rolle mitführen, ebenso kann ein Deo den Aufenthalt erträglicher gestalten.